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Ansprache
Seiner Heiligkeit des Patriarchen von Moskau und der ganzen
Rus Alexij II
beim Empfang der Familie Wrobel zu Ehren des Patriarchen
nach der Übergabe der russischen Holzkirche des Heiligen
Nikolaus an ihn im Trachtenhaus des Internationalen Wind-
und Wassermühlenmuseums Gifhorn am 24. November 1995 in
Gifhorn
Verehrte Familie Wrobel, liebe Bischöfe,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
Herr Regierungspräsident von Braunschweig,
verehrte Vertreter des Auswärtigen Amtes,
verehrte Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchen,
liebe Wohltäter,
liebe Brüder und Schwestern !
Ich habe heute schon dreimal sprechen dürfen.
Ich verschweige Ihnen nicht, daß ich innerlich tief bewegt war, als ich die Kirche heute das erste Mal
aus der Luft sah. Als ich, dann aber die Kirche betrat, war ich noch viel tiefer bewegt und erstaunt.
Sicherlich wird dieser Ort ein Ort der Pilgerschaft und des Tourismus werden.
Auf dem Hügel über dem Museum erhebt sich eine orthodoxe Kirche zu Ehren des Heiligen Nikolaus.
In seiner Ansprache hat Herr Wrobel betont, daß die Mühlen nicht höher sein durften als die Kirche.
Als wir heute mit dem Hubschrauber hier angeflogen kamen, da sahen wir die Schönheit all dessen,
was hier geschaffen worden ist. Hier an diesem Ort stehen Mühlen von verschiedenen Völkern
und aus verschiedenen Ländern. Ich hörte, daß hier ein hervorragendes, gutschmeckendes Brot gebacken
wird - aus Mehl, das in diesen Mühlen gemahlen wird. Ich hörte, daß in diesem Gebäude alte Trachten
aus verschiedenen Ländern ausgestellt sind. Wir dürfen unsere Vergangenheit nicht vergessen.
Wir freuen uns, daß das deutsche Volk seiner Vergangenheit eingedenk ist und sich an seine Vorfahren erinnert.
In der Sowjetunion gab es nach der Revolution von 1917 den Versuch, die alte Welt vollständig zu vernichten.
Und sie haben vieles vernichtet. Nach 70 Jahren kam man aber zu der Erkenntnis, daß es ohne das Vergangene
keine Gegenwart und erst recht keine Zukunft geben kann. Und was hier zusammengetragen ist, Dinge, die zeigen,
wie unsere Vorfahren gelebt und gearbeitet haben, wie sie sich gekleidet haben, das ist ein lebendiger Zugang
zur Geschichte.
Ich habe in der Kirche nach dem Gebet gesagt, daß wir uns freuen würden, wenn wir diese Kirche mit nach Rußland
nehmen könnten, denn sie würde eine Zierde darstellen für jede Stadt oder für jeden Ort in Rußland.
Unser freundlicher Gastgeber hat uns zusammen mit seinen Mitarbeitern ein Bild dieser Kirche überreicht,
so daß wir sie doch mit nach Hause nehmen können.
Heute geht unser neuntägiger Besuch in Deutschland zu Ende. In dieser Zeit hatten wir wirklich viele offene,
innige und bereichernde Gespräche mit Persönlichkeiten der Kirche, der Gesellschaft und des Staates.
Wir haben gespürt, daß jetzt, 50 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, des blutigsten aller Kriege
zwischen unseren Völkern, unser Aufruf, die nächsten 50 Jahre zu beginnen im Geiste der Versöhnung,
der Zusammenarbeit und des Vertrauens ein breites Echo gefunden hat. In unseren Gesprächen haben
wir immer wieder gesagt, wie wichtig der Austausch der kulturellen Werte ist, damit wir einander besser
kennenlernen. Ich denke, daß diese Kirche hier, die wirklich die Schönheit der russischen Holzbaukunst
verkörpert und die innen die Pracht orthodoxer Gotteshäuser zeigt, der Annäherung unserer Völker
auf geistlichem Boden dienen kann.
Im Russischen gibt es eine Volksweisheit, die lautet:
Das Schönste kommt immer zum Schluß. Wir können wirklich
sagen, daß unser heutiger Besuch hier unserem neuntägigen
Aufenthalt in Deutschland eine Krone verleiht.
Heute hatten wir ein tiefschürfendes Gespräch mit dem
Bundeskanzler, Herrn Dr. Kohl, in dem wir in einen Meinungsaustausch
eintreten konnten. Ich bin Herrn Bundeskanzler Dr. Kohl
dankbar für die hohe Einschätzung unseres Aufenthaltes
und der zahlreichen Begegnungen und Gespräche hier in
Deutschland. Wenn wir den in unseren Kräften stehenden
Beitrag zur Vertrauensbildung zwischen unseren Völkern,
zur Versöhnung und zur Zusammenarbeit geleistet haben,
dann hat unsere Reise hierher ihren Sinn erfüllt. Die
Persönlichkeiten der Kirchen unserer Länder arbeiten schon
lange an diesem Aufbauwerk. Mit unseren Gastgebern in
diesen Tage waren wir solche Brückenbauer, Brückenbauer
zwischen unseren Kirchen und zwischen unseren Völkern.
Unser Besuch geht nun zu Ende. Bis zum Ende unseres Aufenthaltes hier, bis zu unserer Abreise verbleiben
keine Stunden mehr, sondern nur noch Minuten. Aber dieses würdige Gotteshaus wird uns in besonderer Erinnerung
bleiben. Ich möchte mich noch einmal bei Herrn Wrobel und seiner Familie, bei allen Wohltätern und
bei all denen bedanken, die zu diesem Wunder auf deutschem Boden beigetragen haben. Es möchte der
Herr Ihnen doppelt vergelten. Zum Andenken an unseren Besuch hier am heutigen Tag und an das erste Gebet,
das wir heute in diesem Gotteshaus vorgenommen haben, möchte ich für diese Kirche ein Bild des heiligen
Bischofs Nikolaus mit einer Widmung des Patriarchats überreichen.
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