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Heiliger Nikolaus
Ikonen
Ikonenmalerei
Frau Tasic
Die russisch-orthodoxe Kirche
Das heutige Rußland kam sehr früh mit dem Christentum in Berührung. Der Apostel Andreas, ein Bruder des Petrus, reiste über die Schwarzmeerküste bis zum heutigen Kiew, um die Lehre Christi zu predigen. Sein Weg führte weiter, den Fluß Wolchow entlang in das Baltikum und über das heutige Polen, über Ungarn, und Rumänien nach Byzanz, wo ihn der Märtyrertod ereilte. Das im alten Bußland heilige Andreaskreuz findet sich bis heute in den skandinavischen Flaggen und erinnert an diese apostolische Reise. Das spezifische liturgische Bewußtsein der Orthodoxie veranschaulicht die Nestorchronik, die um 1113 im Kiewer Höhlenkloster entstanden ist. Einer Legende über die Christianisierung der Kiewer Rus zufolge hatten sich die Bulgaren (Moslems), die Deutschen (Lateiner), die Juden und die Griechen bemüht, den Kiewer Fürsten Wladimir von der Überlegenheit der jeweils eigenen Religion zu überzeugen. Die Entscheidung des Fürsten für die griechische Tradition des Christentums fiel nach einer Reise einer russischen Gesandtschaft zu den genannten Religionsgemeinschaften. Die um die Gunst der Russen bemühten Gastgeber waren immer sehr erstaunt, daß die Russen nicht ihre Lehre, sondern ihren Gottesdienst studieren wollten. Fasziniert vom Gottesdiensterlebnis in Konstantinopel berichteten die Gesandten ihrem Fürsten: „Und so kamen wir zu den Griechen, und sie führten uns dahin, wo sie ihrem Gott dienen, und wir wußten nicht, waren wir im Himmel oder auf der Erde. Denn auf Erden gibt es einen solchen Anblick nicht oder eine solche Schönheit." Im Jahr 988 ließ sich Fürst Wladimir taufen und erklärte das Christentum zur Staatsreligion. Damit begann die „Christianisierung der Rus" und die Herausbildung der Orthodoxen Kirche Rußlands. Sie wurde im Laufe der Geschichte zu einem vitalen Bindeglied zwischen Byzanz und Skandinavien, zwischen Europa und Asien. Ihre geistliche Macht erweiterte sich auch zur weltlichen und führte nicht selten zu tiefgreifenden Spannungen zwischen Zaren- und Patriarchenherrschaft, aber auch zwischen weltabgewandter Askese und priesterlicher Weltlichkeit.Das orthodoxe Bekenntnis ist geprägt durch einen ständigen Kontakt des Gläubigen mit Gott und den Heiligen. Die „Fenster" in die Welt des Jenseitigen und aus dieser in das Diesseits sind die Ikonen. Sie sind Ausdruck, Mittel und Ort tiefer Gläubigkeit. Ihre gottesdienstähnliche Verehrung wird durch den kultischen Gesang der Priester und Chöre umrahmt. Mit der Verehrung des Göttlichen ist ein hohes Maß an Toleranz des Menschlichen verbunden, das die Russisch-orthodoxe Kirche kennzeichnet und für die ökumenischen Gemeinsamkeiten öffnet. Die über eintausend Jahre währende Geschichte des Christentums in Rußland weist glanzvolle Höhen, aber auch dunkelste Tiefen auf. Ihre schwerste Zeit begann mit der bolschewistischen Oktoberrevolution des Jahres 1917. Ungezählte Priester und Gläubige gerieten unter die Verfolgung und wurden verhaftet, gequält und oft ermordet. Die radikale Trennung von Kirche und Staat schuf eine völlig neue Lage, doch die Bereitschaft zum Glauben starb nicht aus, und die russisch-orthodoxe Kirche lebte weiter. Mit der Proklamation des „Großen Vaterländischen Krieges" 1941 gegen das faschistische Deutschland wurden auch die Christen zur „Verteidigung des Vaterlandes" aufgerufen. Sie leisteten einen nicht geringen Beitrag zum Sieg der Sowjetarmee und erleichterten damit den Prozeß einer schrittweisen Normalisierung unter den Bedingungen sozialistischer Staatlichkeit.In der Bundesrepublik Deutschland gibt es eine ständige Vertretung und eine Diözese der Russisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Der Sitz der Diözese ist Berlin, Gemeinden und Gotteshäuser gibt es in Baden-Baden, Berlin, Bischofsheim-Rhön, Bonn-Bad Godesberg und in Gifhorn. Heute, nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, gibt es in Rußland etwa 16 000 orthodoxe Gemeinden mit über 40 000 Priestern. Man schätzt etwa 100 Millionen Gemeindeglieder. Die Kirche des Moskauer Patriarchats ist in Rußland in 120 Diözesen gegliedert und verfügt über 250 Klöster. Drei theologische Akademien und 46 geistliche Lehranstalten betreuen ca. 4 000 Alumnen und Fernstudenten. Außerdem hat die Russisch-orthodoxe Kirche Diözesen, Klöster, Vertretungen und Gemeinden im Ausland.
Erzbischof Longin